Montag, 30. Juni 2014

Mission Dreadlocks - Etappe 2 - Extensions dreaden

Nach der Kieselerde-Kur geht es nun an die eigentliche Arbeit, dem Dreaden der Extensions.
Bevor es losgeht, muss jedoch erst entschieden werden, welche Stärke die Dreads haben sollen und welche Dread-Methode angewendet wird.

Dreadlocks können verschieden dick sein. Man unterscheidet grob in drei Kategorien:

  • Dünne Dreads (Durchmesser <5mm):
    Diese sind am aufwendigsten in Pflege und Herstellung und der Filzprozess findet langsamer statt. Sie ähneln noch am ehesten "normalem" Haar. 
(Quelle: http://www.pinterest.com/pin/334744184774791074/)
Dünne Dreadlocks (Der Dreadhead rechts verwendet übrigens Bierkapseln als Schmuck)
(Quelle: http://www.pinterest.com/pin/334744184774791074/)

  • Mittlere Dreads (Durchmesser ca. 5-10mm) : 
    Mittlere Dreads - irgendwas zwischen dünnen und dicken Dreads - sind die gängigste Stärke.
    Und so ähnlich werden meine Dreadlocks dann auch aussehen:
Mittlere Dreads
(Quelle: FB-Seite von Dreadheads.de)

  • Dicke Dreads (Durchmesser >10mm):
    Dicke Dreads sind wirklich ein Blickfang und besonders für Mutige geeignet. Der Filzprozess passiert schnell, allerdings ist die Reinigung aufwendiger. Sie trocknen langsamer und die Tiefenreinigung funktioniert nicht so gut (Über Dread-Pflege wird noch ein Eintrag gemacht).
    Hier für unsere Mädels ein knackiger Bursche: 
     

Dicke Dreads
(Quelle: http://dreadlock-styles.tumblr.com/post/35050255774/sometimes-thick-dreadlocks-are-amazing)

Die Geschwindigkeit des Filzprozesses hängt natürlich nicht nur von der Dicke der Dreadlocks ab, sondern auch, wie die Haarstruktur ist (dünne und/oder gelockte Haare verfilzen schneller) und, welche Methode zum Dreaden verwendet wurde. 
Hat man sich nun für die richtige Dread-Dicke entschieden, geht es an die Qual der Wahl, wo und vor allem wie sie hergestellt werden sollen. 

Wie gelangt man an seine Dreads?
  • Afro-Shop: Von Afro-Shops ist eher abzuraten, da sich die meisten Angestellten nicht mit dem Dreaden von europäischem Haar auskennen. Es werden oft Fäden und Wachs benutzt - da wird unter den Dreadern sofort aufgeschrien. Niemals, nie, sollten Wachs oder ähnliche organische Substanzen in Dreadlocks!!! Diese fangen mit der Zeit zum Gammeln oder Schimmeln an - wo wir wieder bei dem Vorurteil vom Stinken wären...
  • Profi-Dreader: Ein Besuch beim Profi-Dreader ist zwar kostspielig, aber wer plant, länger mit Dreadlocks herumzulaufen, ist hier gut aufgehoben. Die Dreads werden nach individuellen Vorstellungen gut hergestellt, sodass sie schneller schöner aussehen und auch halten. Denn der Vorteil bei Dreadlocks ist, im Gegensatz zu anderen Frisuren, dass sie zwar zu Beginn aussehen wie hässliche Medusa-Schlangen, aber mit der Zeit immer schöner werden, da das Verfilzen wie gesagt ein Prozess ist.
  • Freunde/Eigeninitiative: Ist zwar kostengünstig bzw. kostenlos, aber sehr zeit- und nervenintensiv. Oft ist es schwer Leute zu finden, die sich dieser Herausforderung stellen bzw. sich das zutrauen. Und die Ergebnisse sind auch oft eher nicht das, was vorher geplant war.
So, nun ist es an der Zeit endlich zum Dreaden an sich zu kommen. Es gibt wieder drei Optionen, die gewählt werden können. Diese funktionieren rein manuell, also ohne irgendwelche chemischen oder organischen Mittel, da es sonst, wie erwähnt, zu fatalem Schimmel-Befall kommt.

  1. Natürliches Verfilzen: Diese Methode ist seeehr zeitintensiv und sieht, meiner Meinung nach, dann eher aus, als wäre man frisch der Kloschüssel entstiegen. Sehet selbst:

  2. Ugly natural Dread
    (Quelle: http://sarahsdreadlocktales.blogspot.co.at/2013_01_01_archive.html)

  3. Zwirbel-Methode: Diese Option ist zwar ebenfalls zeitintensiv, aber sehr effektiv. Dabei werden die Haare der einzelnen Strähnen verknotet und gedreht.
  4. Backcombing Methode: Wohl die gebräuchlichste der Methoden, welche schnell geht und gute Ergebnisse erziehlt. Diese wende ich bei meinen Extensions an. 
Bevor es an das eigentliche Dreaden geht, müssen die Haare in Strähnen eingeteilt werden. Hier gibt es verschiedene Muster und Ansatzformen. Dies soll aber bei meinem "Erlebnisbericht" über den Tag X im September folgen. Auch über die Haarlänge usw. werde ich dann berichten. 

Doch nun zum Dreaden meiner Extensions:

Was braucht man zum Dreaden?
Eigentlich nicht viel: einen Läusekamm (aus der Apotheke oder Geschäft für Tierbedarf), eine sehr feine Häkelnadel, etwas zum Befestigen der Haarsträhnen und Zeit, gaaaanz viel Zeit. 
Zuerst werden die Strähnen abgezählt. Ich verwende jeweils 3 Strähnen, also 3g Haare. Es werden dann insgesamt 66 mittlere Dreads. Ich hoffe, dass es sich damit ausgeht. Es ist schwer im Vorhinein abzuschätzen, wie viele Dreads schlussendlich herauskommen, da dies von vielen Faktoren abhängt.  
Dann werden die Strähnen an irgendwas befestigt, was nicht leicht wegrutschen kann. Ich benutze einen Schemel an dem ich die Strähnen mit einem Draht befestige. Ich schlage aber auch draußen meine Dread-Fabrik auf und hänge die Extensions an das Balkon-Geländer oder an meine Liege und filze dort. 



Jetzt wird mit dem Läusekamm die Strähne richtige fest antpoupiert, sodass kleine Knötchen entstehen, die dann fest nach oben geschoben werden, bis die ganze Strähne verfilzt ist. Je mehr Zeit dabei investiert wird, desto mehr spart man sich später beim Häkeln und umso besser filzt der Dread anschließend. 


Nachdem diese mühsame Arbeit erledigt ist, beginnt das Einhäkeln und Festhägeln der sogenannten "Fusselhaare". Dabei werden die Schlaufen in den Dread hineingezogen. Es bleiben immer ein paar heraußen. Diese filzen sich aber mit der Zeit selbst hinein bzw. werden mit dem Nachhäkeln hineingezogen. 


Hier der Prozess auf einem Dread:
Rechts ist die originale Strähne, in der Mitte die toupierte Version und links die abgeschlossene gehäkelte Arbeit. 

Hier das Ergebnis:

Die Haare haben sich von den ursprünglichen 50cm um ca. 5cm verkürzt. Wie viel sie kürzer werden, ist auch abhängig vom Haartyp und der Dreaddicke. 


Ich habe bis dato 10 von den 66 Dread-Extensions gemacht. Die ersten beiden dauerten ewig, ca. drei Stunden!!! Und meine Hände waren ganz zerstochen von der Häckelnadel. Aber jetzt habe ich schön langsam etwas Übung darin und es braucht nur mehr 30 bis 45 Minuten für einen - es wird, es wird. 

Bis einstweilen, keep dreading!  

(Quelle: http://hubpages.com/hub/Top-10-Ugliest-Dog-Breeds)



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